Hörgeräte geschlossene Versorgung

Was bedeutet geschlossene Versorgung bei Hörgeräten?

Kurzfassung:

Hörgeräte mit geschlossener Versorgung: Wann ist eine geschlossene Anpassung sinnvoll?

Bei der Anpassung eines Hörgeräts spielt nicht nur das Gerät selbst eine wichtige Rolle. Auch die Art, wie das Hörgerät mit Ihrem Ohr verbunden wird, beeinflusst den Klang, das Sprachverstehen, den Tragekomfort und die Möglichkeiten der individuellen Einstellung.

Bei einer geschlossenen Versorgung wird der Gehörgang durch das Ohrstück beziehungsweise den Hörer des Hörgeräts stärker gegenüber der Außenwelt abgeschlossen als bei einer offenen Versorgung. Dadurch kann der verstärkte Schall gezielter genutzt werden und weniger unkontrolliert aus dem Ohr entweichen. Das kann insbesondere bei stärker ausgeprägten Hörverlusten von Vorteil sein.

Ob eine geschlossene Versorgung für Sie sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Neben Ihrem Hörverlust spielen unter anderem die Anatomie Ihres Ohres, das verwendete Hörgerät, Ihr persönliches Hörempfinden und Ihre individuellen Anforderungen eine Rolle. Je nachdem kann eine offene, geschlossene oder teilweise geschlossene Ankopplung die passende Lösung sein.

Was bedeutet „geschlossene Versorgung“ bei Hörgeräten?

Damit ein Hörgerät seinen Zweck erfüllen kann, muss der technisch aufbereitete und verstärkte Schall in Ihren Gehörgang gelangen. Bei modernen Hinter dem Ohr Hörgeräten und RIC Hörgeräten kann dafür beispielsweise ein kleiner Hörer direkt im Gehörgang sitzen. Alternativ wird der Schall über einen Schlauch zum Ohr geleitet. Entscheidend für die Art der Versorgung ist, wie stark das verwendete Ohrstück den Gehörgang verschließt.

Bei einer offenen Versorgung kann vergleichsweise viel natürlicher Umgebungsschall am Ohrstück vorbei in den Gehörgang gelangen. Gleichzeitig kann ein Teil des Schalls aus dem Gehörgang wieder nach außen entweichen. Bei einer geschlossenen Versorgung wird der Gehörgang hingegen stärker abgedichtet. Dafür kommen beispielsweise geschlossene Hörerschirmchen, sogenannte Power Domes, oder individuell angefertigte Otoplastiken zum Einsatz.

Dabei gibt es nicht nur die Wahl zwischen vollständig offen und vollständig geschlossen. Zahlreiche Abstufungen sind möglich. Eine individuell gefertigte Otoplastik kann beispielsweise über eine Belüftungsbohrung verfügen, die als Vent bezeichnet wird. Über die Größe und Länge dieser Öffnung lässt sich die akustische Wirkung beeinflussen.

Für die Hörgeräteanpassung ist deshalb vor allem eine Frage entscheidend: Wie offen oder geschlossen sollte die Ankopplung für Ihren Hörverlust und Ihr Ohr sein? Eine offene Versorgung kann das Gefühl eines verschlossenen Ohres reduzieren. Eine stärker geschlossene Versorgung kann dagegen mehr Kontrolle über die Verstärkung ermöglichen. Welche Variante besser geeignet ist, hängt somit von der individuellen Situation ab.

Für wen eignet sich eine geschlossene Hörgeräteversorgung?

Hörsysteme Jarchow beim Hörtest in Scheeßel

Ob eine geschlossene Hörgeräteversorgung für Sie sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein einzelner Hörwert reicht für diese Entscheidung nicht aus. Dennoch gibt es bestimmte Hörsituationen und Anforderungen, bei denen eine stärker geschlossene Ankopplung häufiger infrage kommt.

Stärkerer Hörverlust

Mit zunehmendem Hörverlust muss ein Hörgerät in der Regel mehr Verstärkung bereitstellen. Bei einer sehr offenen Versorgung kann ein Teil des verstärkten Schalls aus dem Gehörgang entweichen. Eine geschlossenere Ankopplung hilft dabei, mehr Schallenergie im Ohr zu halten und für die Versorgung zu nutzen.

Gerade bei mittelgradigen bis hochgradigen Hörverlusten kann deshalb beispielsweise eine individuell angefertigte Otoplastik sinnvoll sein.

Hörverlust auch im Tieftonbereich

Auch die betroffenen Frequenzbereiche spielen bei der Auswahl eine Rolle. Ist das Tieftongehör noch gut erhalten, kann sich eine stark geschlossene Versorgung unangenehm anfühlen. Besteht dagegen auch bei tiefen Frequenzen ein relevanter Hörverlust, kann eine geschlossenere Versorgung sinnvoll sein. Die tiefen Frequenzen lassen sich dadurch gezielter verstärken.

Hoher Verstärkungsbedarf

Je mehr Verstärkung Ihr Hörgerät erzeugen muss, desto wichtiger kann eine kontrollierte akustische Abdichtung des Gehörgangs werden. Das gilt insbesondere bei leistungsstarken Hörsystemen und sogenannten Power Versorgungen, die einen entsprechend hohen Verstärkungsbedarf abdecken.

Rückkopplungsprobleme

Ein Pfeifen des Hörgeräts kann durch eine akustische Rückkopplung entstehen. Vereinfacht erklärt gelangt dabei vom Hörgerät erzeugter Schall zurück zum Mikrofon, wird erneut verstärkt und erzeugt so eine akustische Schleife.

Moderne Hörgeräte verfügen zwar über leistungsfähige Systeme zum Rückkopplungsmanagement, dennoch bleibt die Ankopplung an das Ohr wichtig. Entweicht zu viel verstärkter Schall aus dem Gehörgang, kann die sinnvoll nutzbare Verstärkung begrenzt werden. Eine geschlossenere Anpassung kann hier Vorteile bieten, da bei einer offenen Versorgung Rückkopplungen bereits bei geringerer Verstärkung zum Problem werden können.

Individuelle Anforderungen an Sprachverstehen und Störgeräuschunterdrückung

Moderne Hörsysteme können mithilfe mehrerer Mikrofone und digitaler Signalverarbeitung Sprache hervorheben und störende Geräusche reduzieren. Bei einer sehr offenen Versorgung gelangt jedoch auch natürlicher Umgebungsschall direkt und unverarbeitet am Ohrstück vorbei in den Gehörgang. Diesen Anteil kann das Hörgerät nicht bearbeiten.

Geschlossene oder offene Hörgeräteversorgung – was ist besser?

Ob eine offene oder geschlossene Hörgeräteversorgung besser geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine offene Versorgung ist nicht grundsätzlich moderner oder komfortabler. Ebenso ist eine geschlossene Versorgung nicht automatisch leistungsfähiger oder besser. Entscheidend ist vor allem Ihr individueller Hörverlust.

Vorteile einer offenen Versorgung

Bei einer offenen Versorgung bleibt der Gehörgang weitgehend belüftet. Natürlicher Schall kann weiterhin direkt in das Ohr gelangen. Das kann insbesondere bei gut erhaltenem Tieftongehör von Vorteil sein.

Mögliche Vorteile einer offenen Versorgung sind:

Eine offene Anpassung hat jedoch auch technische Grenzen. Da Schall aus dem Gehörgang entweichen kann, lässt sich die Verstärkung in bestimmten Frequenzbereichen nicht unbegrenzt erhöhen. Außerdem gelangt ein Teil des Umgebungsschalls direkt und damit unverarbeitet in das Ohr.

Vorteile einer geschlossenen Versorgung

Bei einer geschlossenen Versorgung wird der Gehörgang stärker abgedichtet. Dadurch bleibt der vom Hörgerät erzeugte Schall stärker im Gehörgang. Gleichzeitig gelangt weniger Direktschall am Ohrstück vorbei.

Mögliche Vorteile einer geschlossenen Versorgung sind:

Ein möglicher Nachteil ist das stärkere Verschlussgefühl im Ohr. Die passende Lösung muss deshalb nicht vollständig offen oder vollständig geschlossen sein. Häufig liegt sie zwischen diesen beiden Varianten und wird individuell auf Ihren Hörverlust und Ihr Hörempfinden abgestimmt.

Warum ist die Hörkurve für die Entscheidung so wichtig?

Bei einem Hörtest ermitteln wir, bei welchen Frequenzen welche Lautstärke erforderlich ist, damit Sie einen Ton wahrnehmen können. Die Ergebnisse werden in einem sogenannten Audiogramm dargestellt. Diese Hörkurve liefert wichtige Hinweise darauf, ob eine offene oder eine stärker geschlossene Versorgung sinnvoll sein kann.

Besonders wichtig ist dabei das Hörvermögen in den tiefen Frequenzen. Sind die tiefen Töne noch nahezu normal hörbar, während vor allem ein deutlicher Hochtonhörverlust besteht, kann eine offene Versorgung sinnvoll sein. Die tiefen Frequenzen gelangen dabei weiterhin auf natürlichem Weg ins Ohr, während das Hörgerät die fehlenden hohen Frequenzen ergänzt.

Besteht dagegen sowohl im Tieftonbereich als auch im Mittelton und Hochtonbereich ein deutlicher Hörverlust, muss das Hörgerät über einen größeren Frequenzbereich Verstärkung bereitstellen. Eine geschlossenere Ankopplung kann dann erforderlich sein, damit die erzeugte Verstärkung tatsächlich am Trommelfell wirksam wird.

Die Hörkurve allein entscheidet jedoch nicht über die passende Versorgung. Bei der individuellen Anpassung berücksichtigen wir bei Hörsysteme Jarchow weitere Faktoren, darunter:

Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht eine Einschätzung, wie offen oder geschlossen die Ankopplung für Sie sinnvoll sein kann.

 

FAQ

Eine geschlossene Hörgeräteversorgung kommt häufig infrage, wenn ein größerer Verstärkungsbedarf besteht oder auch tiefe Frequenzen gezielt verstärkt werden müssen. Sie kann außerdem sinnvoll sein, wenn eine offene Versorgung akustisch nicht ausreicht.

Dafür kann der sogenannte Okklusionseffekt verantwortlich sein. Durch den stärker verschlossenen Gehörgang bleibt insbesondere tieffrequenter körpereigener Schall stärker im Ohr. Dadurch kann sich die eigene Stimme voller, lauter oder teilweise dröhnend anhören.

Häufig lässt sich das Verschlussgefühl durch eine individuelle Anpassung verbessern. Je nach Hörverlust und verwendetem Ohrstück können beispielsweise die Belüftungsöffnung, auch Vent genannt, der Sitz und die Bauform des Ohrstücks sowie die Einstellung des Hörgeräts optimiert werden. Wie weit der Gehörgang geöffnet werden kann, hängt jedoch davon ab, wie viel Verstärkung benötigt wird.

Eine stärkere Abdichtung kann das Risiko einer akustischen Rückkopplung reduzieren und gleichzeitig mehr nutzbare Verstärkung ermöglichen. Zusätzlich verfügen moderne Hörgeräte über digitale Systeme zum Rückkopplungsmanagement, die einem störenden Pfeifen entgegenwirken können.

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Hörakustikmeister in Scheeßel